DER TEUFEL

von Fjodor Dostojewski
Eine Produktion von fringe ensemble/phoenix5

Regie: Frank Heuel
Raum/Kostüme: Annika Ley
Musik: Matthias Höhn

Dramaturgie: Svenja Pauka

Mit: David Fischer

Premiere am 19. Januar 2012 im theaterimballsaal, Bonn

Iwan geht es schlecht. Der Arzt sprach von nichts Geringerem als einer „Zerrüttung des Gehirns“. Doch so sehr sich Iwan gegen die Krankheit wehrt, plötzlich sieht er sich dem Teufel gegenüber. Er leugnet dessen Existenz, will ihn als Halluzination abtun, als personifizierte eigene Gedanken und kann sich trotzdem nicht erwehren, mit ihm das Gespräch aufzunehmen. Mit viel Süffisanz, geistreichen Ideen und Geschichten, versucht dieser ihn von seiner Existenz überzeugen. Es entspinnt sich ein Disput über Vernunft und Glauben, Freiheit und Verantwortung, übers Hosianna-Rufen oder die Leugnung des Irrationalen.

DER TEUFEL, eines der zentralen Kapitel von Dostojewskis Roman „Die Brüder Karamasow“, geschrieben 1878–1880, ist ein virtuoser Beitrag zu den großen menschlichen Grundfragen und ein meisterhaft geführter Dialog. Der gedanklich brillante und emotional aufwühlende Text hat bis heute kein bisschen an Aktualität eingebüßt.

 

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Einstündige Begegnung mit dem Teufel

“‘Halluzinationen sind in Ihrem Zustand sehr wohl möglich’, erklärte der Arzt”. So heißt es anfangs von Buch 11,9 in Dostojewskis 1000-Seiten-Roman “Die Brüder Karamasow”. Der Arzt hält eine Kur für dringend angebracht. Doch Iwan Fjodorowitsch, misstrauisch, schlägt die Kur in den Wind und lässt sich lieber auf den Teufel ein, der dem Fiebernden zwei Seiten weiter auf einem Sofa auf der Ballsaaltheaterbühne gegenüber sitzt.
Jedenfalls zeitweise. Dann springt nämlich David Fischer in raschen dialogischen Wechseln zwischen Sessel und Sofa, zwischen Iwan und Teufel, hin und her. “Keinen Augenblick halte ich dich für eine reale Wahrheit … Du bist eine Lüge, meine Krankheit, … meine Halluzination”. Doch immerhin hält Iwan die für so real, dass er sich Mittel ausdenken will, wie er den Teufel vernichten könne, der ihm – er sich – aber gelassen Stand hält.
Den ganzen Text nur einem einzigen Schauspieler anzuertrauen, ist Frank Heuels Regie-Idee. Ohne einen Virtuosen wie David Fischer ginge das nicht. Er ist wieder fabelhaft und, wie fiebernd, die helle, angriffslustige Stimme des Geistes und des Widerspruchs und der Überredung zu einer Gesellschaft voller Nächstenliebe, die im überlebensgroßen Roman, den man immer mitzudenken hat, der jüngere Bruder Alexej Fjodorowitch predigt.
Irgendwann fallen aus dem Dunkel des Bühnenhimmels lange Spruchbänder herunter, über die Thesen laufen – ein sehr schöner, beeindruckender Einfall von Annika Ley. Dazu gibt es auch eine Musik, die “Internationale” und ein russisches Volkslied mit der Themaumkehrung. Der Musiker (Matthias Höhn) ist unter einem Betonblock versteckt, nicht verstummt – bis dieser am Ende von deckenhoher Kette hochgezogen wird.
Das alles funktioniert auch nur so gut in Bonns schönstem Theaterraum, in dem alles auf die drei, vier Requisiten auf der Bühne und Fischer hinlenkt. Es gibt nichts, wohin der Blick abschweifen könnte. Aber dieser Raum trägt. Mit dem “Der Teufel. Iwan Fjodorowitschs Fiebertraum” überschriebenen Kapitel hat Frank Heuel nach “Der Großinquisitor” das zweite auf die Bühne geholt aus “Die Brüder Karamasow”, der Roman könnte eine Lebensaufgabe werden.
Mit seinem großem Beifall schien sich das Publikum schon darauf einstellen zu wollen.

UH. Terschüren, Bonner Rundschau, 21. Januar 2012

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