Severin von Hoensbroech/Frank Heuel

Generation P

Eine Koproduktion von fringe ensemble und THEATER BONN

 

Regie: Frank Heuel
Bühne: Ansgar Baradoy
Kostüme: Annika Ley
Musik/Video: Gregor Schwellenbach
Mit: Justine Hauer, Maria Munkert, Laila Nielsen, David Fischer, Arne Lenk, Raphael Rubino

Premiere am 05.12. 2007 am Theater Bonn

Generation Praktikum: Diesem Begriff begegnet man seit Monaten auf Schritt und Tritt. Entworfen wird das Schreckensszenario einer Generation von jungen Akademikern, die sich nach dem Studium von Praktikum zu Praktikum hangeln, von den Unternehmen ausgebeutet werden und wenig Chancen haben, jemals in ein festes Arbeitsverhältnis einzutreten. Ist das so? Oder ist die Generation Praktikum vielmehr eine Generation Erbe, wie neuerdings die Presse auszurufen beginnt? Wie sehen Studenten heute ihre Zukunft, wie belastet ist eine ganze Generation von pessimistischen Prognosen? All diesen Fragen geht GENERATION P auf der Grundlage von Interviews, die mit Studenten in ganz Deutschland geführt worden sind, nach. Ein semidokumentarisches Theaterprojekt zur Lage einer Generation.

Presse

... Frank Heuel entwickelt den unterhaltsamen Abend aus einer undifferenzierten Stimmenkakophonie, aus der sich die sechs Figuren herausschälen. Auf der weißen, mit überdimensionierten Bauklötzen ausgestatteten Bühne von Ansgar Baradoy agieren die Darsteller meist in Tableaux vivants und sprechen ihre Texte frontal ins Publikum, mal solo, mal als Chor. Dass der Abend darüber nicht langweilig wird, liegt daran, dass es Frank Heuel letztlich gar nicht um abgeleistete Praktika oder die Entkoppelung von Arbeit und Lohn geht. Der Abend zeichnet mit zarter Ironie und ohne zu denunzieren das Porträt der Generation Praktikum, das absurder, erschreckender und komischer kaum sein könnte. Da tummelt sich der studierte Soziologe Kai (Raphael Rubino) bei der Marktforschung, träumt von der eigenen Firma, aber auch vom Professorendasein an der Uni und weint schließlich bitterlich, wenn seine Freundin fünf Wochen Urlaub ohne ihn macht.

General-Anzeiger Bonn, 08.12.2007

Auf einem Bretterboden stehen weiße Klötze, die Hocker, Tische, Büromöbel darstellen. Der Anfang ist statisch, textkonzentriert. Dann tragen die Schauspieler einen Sessel, ein Sofa und eine Stehlampe hinein und arrangieren die Bühnenelemente zu immer neuen Bildern. Sie illustrieren nicht, was sie sagen. Sondern sie unterfüttern die Erlebnisberichte mit absurden Szenen. Einer tanzt einsam mit der Stehlampe, ein anderer singt plötzlich ein Lied über seinen Traum, am Meer zu wohnen, und wenn es bloß in Holland ist. Die Wünsche der Generation P klingen oft kleinbürgerlich. Sie wollen sich anpassen, sehnen sich danach, ins System aufgenommen zu werden. Die Aufführung zeigt, wie die fehlende berufliche Perspektive auf das Privatleben wirkt. Frauen überlegen gar nicht, ob sie Kinder wollen. Sondern ob sie überhaupt daran denken dürfen, so lange sie keinen Job haben. Manchmal werden die Fragen der Interviewer als Text eingeblendet. Da steht zum Beispiel: „Gibt es etwas, was dich richtig aufregt?“ Einer antwortet, dass so viele Leute „gewunken“ sagt, wo es grammatisch richtig „gewinkt“ heißen müsste. Mehr fällt ihm nicht ein. Das sind die Tragödien der Generation P. Die Leute leiden an der Banalität des Alltags, daran, dass sie im relativen Luxus leben und keine eigenen, aufregenden Geschichten haben. Sie fühlen sich vom Leben ausgeschlossen. Die hervor ragenden Schauspieler sprechen mit einer Mischung aus authentischen Tonfällen und leisem, ironischem Witz. Sie stellen ihre Sätze aus, aber niemals diejenigen, die sie gesagt haben, bloß. „Generation P“ ist ein überraschend witziger Theaterabend über ein ernstes Thema. Und der Beweis, dass die Zusammenarbeit eines Stadttheaters mit einer freien Gruppe wie hier dem Fringe Ensemble zu außergewöhnlichen Ergebnissen führen kann.

Stefan Keim, für WDR 5, Scala 06.12.2007

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