I said the things you told me not to say

Living pictures of agony / Eine Doku-Performance

Eine Produktion von fringe ensemble/phoenix5
in Kooperation mit dem Theater im Ballsaal Bonn und dem Theater im Pumpenhaus Münster

Mit: Justine Hauer, Bettina Marugg, Laila Nielsen, Svenja Pauka, Gregor Schwellenbach, Eduardo Seru

Regie: Frank Heuel
Raum: Eduardo Seru
Kostüme: Annika Ley

05. Mai 2009 im Theater im Ballsaal, Bonn

Unzählbar sind die Aussöhnungsversuche im privaten, gesellschaftlichen und politischen Kontext, die Versöhnungsbemühungen zwischen zwei oder mehreren Personen, Bevölkerungsgruppen, Religionsgemeinschaften oder Staaten. Das könnte optimistisch stimmen – wäre da nicht das Scheitern, wäre da nicht die Schwere der vorangegangenen Ereignisse, wäre da nicht der eigene unverrückbare Standpunkt. Frank Heuel richtet mit seiner Produktion den Blick auf einen der ganz großen Konflikte, auf Aussöhnungsprozesse, die aufgrund der Schwere der vorangegangen Ereignisse nicht leicht zu beantwortende Fragen aufwerfen: Wie kann ein Mensch überhaupt verzeihen? Unter welchen Bedingungen kann ein Opfer einem Täter begegnen? Welche Auswirkungen haben Amnestien für die Opfer, die Hinterbliebenen? Was bewirkt die Begegnung tatsächlich? Hilft die Aussöhnung den Beteiligten direkt oder „nur“ den nachfolgenden Generationen?
fringe ensemble/phoenix5 geben mit der Doku-Performance I SAID THE THINGS YOU TOLD ME NOT TO SAY einen Einblick in Lebensgeschichten von Menschen, die während des Apartheid-Regimes in Südafrika zu Opfern oder zu Tätern wurden.

Presse

... Allmählich fährt Frank Heuel die distanzierenden Inszenierungsmittel herunter. Bühnenbildner Eduardo Seru bemalt die Tischoberflächen wie ein Gerichtszeichner mit Prozess-Szenen; der Musiker Gregor Schwellenbach entlockt Harmonium und Computer bedrängende Klänge, während Justine Hauer von einer sechsköpfigen Familie erzählt, deren männliche Mitglieder immer wieder verhaftet wurden. Hauer berichtet fast emotionslos und berührt nur umso tiefer.
Der Höhepunkt des Abends aber gehört der hochschwangeren Laila Nielsen, die von einer Mutter erzählt, die ihren Sohn verloren hat. Wie sie und ihr Mann herumtelefonieren und schließlich das Hemd ihres toten Sohnes erhalten: “Ich habe noch nie ein Hemd gesehen, das so viele Löcher hat”. Schon dieser Moment, der wie eine psychoanalytische Katharsis wirkt, gehört zu den grausigsten der Aufführung.
Dann jedoch verwandelt sich Laila Nielsen in den Vater, der auf der Polizeiwache seinen Sohn identifiziert. Ihre Stimme wird plötzlich laut. Doch es ist kein Schreien, kein Brüllen, sondern etwas weit Schlimmeres. Es ist die monotone Lautstärke, die den rasenden Schmerz im Innern zu betäuben versucht. Mit diesem erschreckenden Bild endet die tief berührende Aufführung.

General-Anzeiger Bonn, 07. Mai 2009

... Ebenfalls eine tragende Rolle kommt Eduardo Seru zu, der wie ein Gerichtszeichner die einzelnen Szenen auf die Tischplatten überträgt und so den dokumentarischen Charakter der Aufführung betont. Am Ende jedoch greift er zum Hochdruckreiniger. Die Tische, an denen so Furchtbares verhandelt wurde, erstrahlen wieder in unschuldigem Weiß und lassen Hoffnung auf einen Neubeginn aufscheinen.

Münstersche Zeitung, 04.06.2009

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