Klima CH-D

Frank Heuel

Eine CH - D Koproduktion aus Anlass des Festivals "Szene: Schweiz", der Internationalen Kulturtage Dortmund. Produziert von dem Theater im Depot, Dortmund und GO - Theaterproduktionen, Zürich mit dem fringe ensemble / phoenix 5 Koproduziert vom Festival "auawirleben", Bern, der Roten Fabrik, Zürich und dem Theater im Pumpenhaus, Münster.

 

Regie: Frank Heuel
Co-Regie: Jordy Haderek
Raum: Eduardo Seru
Musik: Knut Jensen
Mit: Severin Hoensbroech, Bettina Marugg, Laila Nielsen, Jesko Stubbe, Harald Redmer, Ulrike Rehbein, Silvana Zarro

Deutsche hegen für die Schweiz und ihre Bewohner in der Tendenz eine wenn auch manchmal milde lächelnde Sympathie. Bei den Schweizern hingegen entdecken wir erst einmal keine sich sogleich offenbarende Gegenliebe. Der Umgang miteinander wird bestimmt durch ein komplexes Konglomerat aus Vorurteilen, eingebrannten Klischees und "echten" Erfahrungen. National geprägte Unterschiede in Verhaltens- und Sichtweisen erzeugen ein gegenseitiges Gefühl von Fremdheit und Anderssein; zwischen den Deutschen und den Schweizern tritt diese Empfindung subtiler auf als zwischen anderen Völkern, da man - bezogen auf die Deutschschweiz - im selben Sprachraum beheimatet ist. Ein skurriler Theaterabend über die Sehnsucht nach bedingungsloser Akzeptanz, einem "Entspannten - Sich - Begegnen - Können" und der Suche nach der Liebe zu sich selbst und seinem Herkunftsland.

 

Das Ensemble:
Das Ensemble von KLIMA CH - D setzt sich zusammen aus: einer Schweizerin die in Holland lebt, einem Deutschen der in der Schweiz lebt, einer Deutschen die in Deutschland lebt, einem Deutschen der u. a. Leiter des Bonner fringe ensembles ist, verheiratet mit einer Schweizerin, die auch mitspielt, einem Deutschen der seine Jugend in einem Schweizer Internat verbrachte, einer Schweizerin die in Deutschland lebt, einer Deutschen die mit einem Schweizer verheiratet ist und u. a. Koleiterin der Basler Klara Theaterproduktionen war, einem Deutschen der Leiter des phoenix5 Ensembles in Münster ist und eine leidenschaftliche Affinität zur Schweiz hat, einem Schweizer Musiker dessen Deutsche Eltern die Schweizer Staatsangehörigkeit angenommen haben, wodurch ihm nun die Deutsche Staatsangehörigkeit verwehrt wird, einer Schweizer Grafikerin die in Deutschland lebt und einer Assistentin die zum ersten mal in der Schweiz ist.
Das Spiel und Nicht-Spiel der Darsteller und eine dadurch determinierte Realität sind Arbeitsansatz. Der Schauspieler als lebende geistige und körperliche Einheit ist mehr gefragt als eine Psychologie der Figuren.

Presse

... das Projekt "Klima CH-D" unter Frank Heuels Regie und Jordy Hadereks Mitarbeit hat einen alten Trick auf Lager, der hier genau der richtige ist. Denn die 90 Minuten stellen die Recherchen der Gruppe forciert aus, eine Spielleiterin (Bettina Marugg) unterbricht und kommentiert ironischerweise in "Flughafenenglisch" die Szenen und berichtet von den Schwierigkeiten dieser klimatischen Annäherung. Zwischendurch werden die sieben Schauspieler fast privat, wenn sie an Ihren Badezimmerkästen stehen. Jesko Stubbe putzt mal die Zähne und malt beiläufig mit dem Pastengesabber ein Schweizer Kreuz aufs Glastürchen, das er später zum Eisernen Kreuz erweitert. Und Harald Redmer besteht auf Flaschenbier und Wendungen wie "Mensch Meier", Severin Hoensbroech mit zusammengekniffenen Zähnen und Hintern auf der schwarzen Abfahrtspiste. Der Trick der Spielleiterin ist gut, weil zu den kabarettistischen Albernheiten damit eine kühle Distanz erredicht wird. Eine Distanz zum Fremden, Andern, sondern zum jeweils Eigenen. Denn die klare Spielanordnung wird immer wieder diffus, das Kabarett kippt in vielleicht nur vermeintlich Privates, dann in abstrakte Szenen, manchmal in ästhetisch fast verliebte Bilder von grosser Ruhe. Auch die sprachlichen Klischees sind von Liebe durchwirkt (Silvana Zarro und Laila Nielsen sorgen zwischendurch für unverschnittenen Dialekt). Eine Antwort nimmt man davon keine nach Hause, aber ein ziemlich kluges Verwirrspiel über die einen und die anderen war das allemal...

Tobi Müller, Tagesanzeiger, 27.04.2004

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