Treibgut

 

Konzept: Theater Titanick, Frank Heuel
Künstlerische Leitung: Uwe Köhler
Regie: Frank Heuel
Schauspiel: Stony Assmann, Michael Hain, Clair Howells, Thomas Kuhnert, Georg Lennarz, Kristina Scheyhing, Matthias Stein
Musik: Gundolf Nandico, Marie Nandico, Ute Nandico
Bühnenbild: André Böhme
Spezialeffekte: Karsten Ackner, Marko Aravena Moya, Robert Schiller
Kostüme: Tanja Schulte, Stefan Sonntag

Premiere am 06.05.2004, Stadthafen, Münster

Für die Produktion TREIBGUT begab sich Theater Titanick zum ersten Mal in und auf das Element Wasser. Stadthäfen, Seen und Flüsse werden zur Open-Air-Bühne.
Die Hochwasserkatastrophen der letzten Jahre haben die Grenzen unserer kulturellen Leistungen aufgezeigt. Immer dort, wo sich Natur über von Menschenhand gesetzte Begrenzungen hinwegsetzt und sich zeitweise ein Stück Terrain zurück erobert, tritt der uralte Konflikt Natur - Kultur zu Tage. Genau in diesem Grenz- oder besser Berührungsbereich bewegt sich das diese Produktion von Theater Titanick.
Im Zentrum der Inszenierung TREIBGUT steht nicht eine Analyse bekannter Ursachen, vielmehr ist der Fokus des Projekts auf das gerichtet, was den Menschen in der Katastrophe widerfährt: ein sich wiederholendes Scheitern im Angesicht der Natur mit Dimensionen, die so faszinierend wie erschreckend, so zerstörend wie Leben spendend sind.
Der typische Titantick-Stil garantiert neben spektakulären Wasser- und Pyroeffekten einen skurrilen Humor, eingebettet in eine außergewöhnliche Bildsprache und groteske Figuren, die ohne große Worte Zuschauer auf der ganzen Welt berühren und verzaubern.
Im Vordergrund der Inszenierung steht das Leben der von der Flut Betroffenen. Sie treiben auf Resten ihrer Existenz heimatlos auf den Flüssen und Meeren dieser Welt. Auf ihrer Reise begegnen sie einer mythischen Welt voller Kraft und Lebensfreude, der Welt der Flussgötter und Nymphen.
Wasser ist der Hauptdarsteller von TREIBGUT. Wasser atmet, zittert, lebt. Wasser reagiert und regt und rächt sich. Wasser bahnt sich tröpfelnd seinen Weg in die private Welt der Menschen. In ihre Kühlschränke, Betten und Radios und in ihre Herzen. Verkörpert durch Neptun und seine musizierenden Nymphen, findet es poetischen Ausdruck in Musik und Wasserspielen genauso wie in der Urgewalt, die alles vernichten kann. Wasser lässt die Menschen auf den Resten ihrer Existenz schwanken, hin und her gerissen zwischen Hoffen und Bangen, Bedrohung und Rettung. Ein fellinihafter Tanz am Rand des Strudels beginnt, dessen apokalyptisches Ende auch zugleich Katharsis und Wiedergeburt bedeutet.
In kleinen und großen Tragödien zwischen Verzweiflung, Mut und irrwitziger Lebenslust im Angesicht der Katastrophe, werden sinnlich erfahrbare Geschichten über die Naturgewalten des Wassers erzählt.

Presse

"Theater Titanick zeigte das Element Wasser in all seinen Aggregat- und Bewusstseinszuständen und sorgte somit für das Theaterereignis dieses Sommers. Ein Muss.

Müntersche Zeitung, 28.05.05

TREIBGUT setzt auf die Wucht, den der Kontrast des Wilden zum Stillen, des Brachialen zur Melancholie, des Witzes zum blanken Schock im Betrachterkopf erzeugt. (...) Zurück bleiben Eindrücke aus 90 Minuten Katastrophenmärchen mit exzellentem Schauspiel.

Ahlener Zeitung, 07.07.04

Berauschende Bilder, hörbarer Horror, aufkratzende Apokalypse.

Ahlener Zeitung, 05.07.04

Das Theater Titanick zeigt das Vernichtende und unheilvolle des Wassers, die Katastrophe und das Scheitern der Menschen. Mit großem technischen Aufwand, mit Spezialeffekten der Wasser und Pyromanie entstand ein Szenarium des Weltuntergangs, indem das graue Wasserballett der Ratten den Todestanz plätscherte. Aber die Inszenierung zeigt auch das Ästhetische des Schrecklichen. Nymphen in Nachen schwimmen heran, Neptun begleitet die musizierenden Elfen, Poesie kommt im filigranen Vers eines grotesken Reigens auf, Wasser, was aus allen Ritzen sprüht, formt sich zur verspielten Wasserorgel, bis der Titan der Naturgewalt mit Bombenmacht unheilvolle Wasserfontänen in die Hohe schießt.

Rheiner Volksblatt, 14.06.04

Sicher es gibt auch wieder Spektakuläres: Wasserfontänen aus Riesentröten, Funken und Feuer, Kerzenleuchter schweben aus den Fluten, am Ende bricht sie Apokalypse herein. Die Inseln kippen. Wasser überall. Neopren für alle! Aber die Titanicker haben stärker als sonst auf die leisen Töne geschaut. Die zwischenmenschlichen Beziehungen der Gestrandeten stehen im Vordergrund. Das Wasser scheint die Gefühle zu verstärken - und die Zeit zu verlangsamen. Und so wird auch das Schauen langsamer - geleitet vom Rhythmus des Elements und einer fantastischen Musik (Gundolf Nandico).

Münstersche Zeitung, 10.05.04

Wasser bedeutet eben auch Leben. Titanick ist es gelungen, die Verzweiflung über das gespenstisch Unberechenbare des Wassers ebenso zu vermitteln wie dessen Poesie und Lebenskraft.

Westfälische Nachrichten, 08.05.04

Galerie